Solidarität mit der WG Grimmer 2

Wohnprojekt statt Mietobjekt!

Wir möchten auf die aktuelle Situation rund um das Hausprojekt Grimmer 2 aufmerksam machen und erklären uns solidarisch mit den Bewohner*innen.

Das Hausprojekt in der Grimmer Straße 2 ist seit Jahrzehnten
Bestandteil der alternativen Szene in Greifswald und Umgebung. In dieser
Zeit wurde es wesentlich von den Bewohner/-innen (Mieter/-innen)
getragen während die Eigentümer zunehmend durch Abwesenheit die
internen Prozesse ermöglichten. Die ursprünglich vier Eigentümer
waren zum Zeitpunkt des Kaufes selbst Teil der alternativen Szene.
Inzwischen gibt es nur noch zwei Eigentümer, wovon zu Einem seit langen
Jahren kein Kontakt mehr besteht, was unter anderem zur Folge hat, dass
eine Wohnung im Haus ungenutzt bleibt.

Der verbliebene, erreichbare Teileigentümer, Herr Lenk sucht seit
nunmehr 3 Jahren den Konflikt mit der WG, die „sein Haus“ seit
langen mit Leben füllt und instand hält.

Was mit einem Zwist um ein feministisches Transparent begann, wurde
über eine Kündigung wegen angeblichen Eigenbedarfs bis zu aktuell
gestellten Räumungsklagen seitens Herrn Lenk immer weiter eskaliert.
Die WG hat in der ganzen Zeit versucht das Gespräch und den Kompromiss
zu suchen. Inzwischen geht sie an die breitere Öffentlichkeit, hat
einen Text veröffentlicht den Ihr weiter unten nachlesen könnt. Wir
erklären uns solidarisch mit den Bewohner/-innen der WG Grimmer 2 und
teilen ihre Forderung nach einem Gesamtmietvertrag!

FreirAUm e.V.

Aufruf der Bewohner*innen des Hausprojekts Grimmer 2 in Greifswald – Wohnprojekt statt Mietobjekt, Unterstützung gegen Räumungsklagen

Den vollständigen Aufruf könnt ihr hier auch als gestaltete PDF ansehen und weiterverbreiten:

Aufruf als PDF

Der folgende Text stammt von den Bewohner*innen der Grimmer 2 und wird hier unverändert veröffentlicht:

Grimmer WTF – Wir brauchen eure Hilfe!
Eins der zehn süßesten Hausprojekte Greifswalds hat gewaltig Stress – und ihr könnt helfen: Zunächst, indem ihr diesen Brief bis zum Ende lest, unsere Geschichte teilt und dann schaut, wie und ob ihr uns weiter unterstützen möchtet.
Zur Orientierung: Wir geben euch erst einen Überblick über den aktuellen Stand und für die Lesefreudigen weiter unten einen längeren Abriss, wie es dazu gekommen ist.

Wo wir gerade stehen und wie ihr helfen könnt

Grimmer WTF - Wir brauchen eure Hilfe!

Eins der zehn süßesten Hausprojekte Greifswalds hat gewaltig Stress – und ihr könnt helfen: Zunächst, indem ihr diesen Brief bis zum Ende lest, unsere Geschichte teilt,
und dann schaut, wie und ob ihr uns weiter unterstützen möchtet. Zur Orientierung: Wir geben euch erst einen Überblick über den aktuellen Stand und für die Lesefreudigen weiter unten einen längeren Abriss, wie es dazu gekommen ist.

Wo wir gerade stehen und wie ihr helfen könnt:
Das bunte Haus in der Kurve zwischen Bahnhof und Rewe steckt seit knapp drei Jahren in einem Konflikt zwischen den Bewohner*innen und dem Vermieter. Vor Kurzem der letzte Schock: Gegen Einzelne von uns wurden Räumungsklagen eingereicht.
Daher benötigen wir dringend die Hilfe der alternativen Strukturen in Greifswald und wenden uns heute an Euch.

Wir brauchen Unterstützung dabei, den Eigentümer des Hauses zu ermuntern, von ihm gemachte Zusagen einzulösen.
Was wir wollen, ist unser zu Hause zurück, den alternativen Lebens- und Gestaltungsspielraum, den wir als Gruppe seit 15 Jahren mit Farbe füllen. Wir sehen ein paar Möglichkeiten, wie ihr uns dabei helfen könnt – wenn euch mehr einfällt: Meldet euch gern bei uns. Wir freuen uns über jede Form der praktischen Solidarität!

Nutzt eure Netzwerke, formuliert Solidaritätserklärungen und teilt diese auf den euch verfügbaren Kanälen
(persönliche Kontakte, Social Media, E-Mail-Verteiler, etc.). Erklärt, warum es auch Euch am Herzen liegt, dass dieses schöne Haus weiter
von uns bewohnt und gestaltet werden sollte. Warum Vorpommern diesen alternative Wohnraum auch angesichts der
trüben politischen Aussichten in Bezug auf die Landtagswahlen nötiger braucht als je zuvor.

Wer ein paar Euros übrig hat:
Auch die können wir leider sehr gut gebrauchen, da wir in diesen Konflikt seit zwei Jahren Geld für einen Anwalt investieren müssen – Geld, das abfließt, damit wir in unserem zu Hause wohnen bleiben können.
Dazu haben wir ein Crowdfunding eingerichtet:
https://www.goodcrowd.org/grimmer-fuer-immer-hausprojekt-statt-mietobjekt
und werden euch natürlich auch weiterhin regelmäßig zu spaßigen Soli-Aktionen einladen!

Bis hierhin haben wir immer wieder versucht, den Streit im Gespräch zu lösen – mit von uns organisierten Mediationsrunden und immer weiterreichenden Kompromissangeboten. Stattdessen hat der Vermieter nun zur härtesten Eskalation gegriffen. Das widerspricht unserer Art, zusammenzuleben und Entscheidungen zu treffen: Wir organisieren das Haus seit Jahren selbst, setzen auf Konsens, gegenseitige Unterstützung und gemeinsame Lösungen – und haben das Haus am Leben und instand gehalten, als der Vermieter jahrelang im Ausland war und sich kaum gekümmert hat. Alle Versuche, den Konflikt zu lösen, wurden entweder abgeblockt, ignoriert und bereits gemachte Zusagen nicht eingelöst.

Besonders bitter ist das, weil wir im April 2025 im Beisein beider Anwälte geglaubt haben, eine Lösung gefunden zu haben, als es hieß: Wenn wir die Bedingungen des Vermieters erfüllen, bekommen wir als Gruppe einen Gesamtmietvertrag für einen Teil des Hauses, den wir dann wie seit Jahren wieder selbst verwalten können.

Wir waren und sind immer noch bereit, die an uns gestellten Forderungen zu erfüllen.
Trotzdem kamen jetzt, nach langem Bangen und Hoffen, die Räumungsklagen.

Wenn du wissen willst, was es mit dieser rattenscharfen Ratte auf sich hat, lies unbedingt weiter!

Wie es dazu kam:
Wichtig ist uns: Wir schildern euch hier unsere Sicht auf die Ereignisse und verlangen nicht, dass ihr dieser unhinterfragt folgt. Wir waren und sind immer zu Gesprächen mit unserem Vermieter bereit. Und es ist unser Wunsch, dass die Konsequenz des ganzen Prozesses kein sozialer Ausschluss unseres Vermieters ist, sondern es gelingt, in Zukunft wieder zusammenzukommen. Diesen Schritt zur Veröffentlichung haben wir lange nicht getan, weil wir zu sehr an die einvernehmliche Konfliktlösung geglaubt haben.

Der Konflikt hat viele Ebenen – weltanschauliche, politische, persönliche und strukturelle. Ausführlich können wir das hier nicht darstellen – meldet euch gern bei uns, wenn ihr mehr wissen wollt. Entzündet hat sich die Auseinandersetzung im März 2023, an einem Banner zum Internationalen Frauen*- und queerfeministischen Kampftag. Mit der Aussage „Stärker gemeinsam – Feminismus nur gemeinsam und überall“ drückten wir Solidarität mit intersektionalen Kämpfen aus. Unser Vermieter forderte, das Banner gerade WEGEN seiner feministischen Aussage nach dem Aktionstag abzunehmen. Bis dahin verstand er sich selbst als Teil der Hausgemeinschaft, die Entscheidungen bezüglich der Banner am Haus immer gemeinschaftlich traf. Als er sich jedoch weigerte, mit uns auf Augenhöhe über seine Beweggründe zu sprechen, begann er, Fakten zu schaffen: Er ignorierte Plenumsbeschlüsse und schnitt das Banner eigenmächtig ab. Gesprächsversuche zur Klärung brach er ab, nachdem er seine Position klargemacht hatte. Nach weiteren Grenzverletzungen gegenüber Mitbewohner*innen haben wir als Gruppe entschieden, dass ein Zusammenleben als WG mit unserem Vermieter in der von ihm beanspruchten Doppelrolle als Mitbewohner nicht mehr möglich ist, und haben diese Zusammengehörigkeit aufgelöst.

Der Vermieter hat sich nach diesen von uns gezogene Konsequenzen jedoch nicht um die Klärung des Konflikts bemüht, wie es ansonsten in unserer Hausgemeinschaft normal wäre. Stattdessen wurden uns anwaltliche Eigenbedarfsforderungen zugestellt.
Vier (!!) Mitbewohner*innen wurde völlig überraschend gekündigt, um eine Wohnung freizumachen, in der unser Vermieter mitten zwischen uns im Haus wohnen will. Zahlreiche von uns vorgebrachte Vorschläge und Angebote für Alternativen sowie alle von uns angestoßenen Vermittlungs- und Mediationsversuche wurden abgelehnt, verschleppt oder blieben konsequenzlos. Zusagen, die uns gemacht wurden, blieben folgenlos. Im Haus gibt es außerdem mehrere Zimmer, die seit Jahren lehrstehen und die der Vermieter alternativ bewohnen könnte.
Wir vermuten, dass der Vermieter den Konflikt bewusst aussitzt, in der Hoffnung, dass wir ihn finanziell oder emotional nicht mehr tragen können. Ziel scheint zu sein, das Haus OHNE UNS neu zu besetzen – obwohl wir als Hausgemeinschaft es seit Jahrzehnten erhalten, auch durch eigene
Bau- und Instandhaltungsarbeiten. Bereits jetzt lässt der Vermieter uns völlig fremde Menschen in leerstehende Zimmer einziehen. Das widerspricht der langjährigen Praxis, nach der wir gemeinsam entscheiden, mit wem wir hier leben. Die Grimmer, das selbstorganisierte, politische Wohnprojekt, eine Institution für Greifswald, ist akut bedroht.

Im April 2025 haben wir ein letztes großes Zugeständnis gemacht und damit eine eigene rote Linie überschritten: Unser Vermieter kann die betreffende Wohnung beziehen. Unsere einzige Bedingung: ein Gesamtmietvertrag für den restlichen Teil des Hauses, damit wir wenigstens selbst entscheiden können, mit wem wir zusammenleben. Und tatsächlich hat der Vermieter dieser Forderung im Beisein unserer Anwälte zugestimmt. Wie mit dem Vermieter abgesprochen, haben wir sofort begonnen, einen Verein zu gründen (genau: den rattenscharf-Verein), damit einem
Gesamtmietvertrag nichts mehr im Wege steht.
Doch statt eines Vertragsentwurfs haben wir nun Räumungsklagen erhalten.
Zusätzlich hat der Vermieter gezielt weiteren Druck aufgebaut, indem er Mietnachforderungen von über 3.000 € an eine Mitbewohnerin stellte, die nach seiner Kündigung längst ausgezogen ist, um sich der Situation zu entziehen.
Darüber hinaus nutzt unser Vermieter ohne unser Einverständnis den wohl vulnerabelsten Gemeinschaftsraum des Hauses:
Das Badezimmer. Das tut er, obwohl er selbst mehrfach zusagte, unsere Privatsphäre wahren zu wollen. Hier hat er Mitbewohner*innen überrascht als sie auf der Toilette waren oder nackt aus der Dusche kamen. Die Grenzverletzungen häufen sich. Auch zögert er nicht, die Polizei zu rufen und zu befugen, unser Haus zu betreten, um seine Interessen durchzusetzen.
Was wir wollen, ist unser Haus zurück, an dem unser Herz hängt. Die Grimmer ist nicht nur ein Herzstück der Greifswalder
Gegenentwürfe zur zunehmenden Vereinzelung: sie ist unser Lebensmittelpunkt, den wir seit vielen Jahren mit Leben füllen.
Wir hoffen noch immer, dass es einen Weg geben kann, auf dem die Grimmer als Gemeinschafts- projekt gerettet werden kann. Wir wollen nicht an den Machtinstrumenten scheitern, die sich aus Eigentum ergeben. Wir wollen nicht, dass die Interessen eines Einzelnen schwerer wiegen als das (mentale) Wohlergehen der Menschen, die diesen Ort in seiner
Abwesenheit jahrelang erhalten haben. Langfristig wünschen wir uns eine Lösung, die
für alle tragbar ist, in der wir irgendwann wieder zusammenkommen und diese
Differenzen beiseite legen. Natürlich wäre es wünschenswert, dass dieses Haus
irgendwann der Gruppe gehört, die die Struktur des gemeinschaftlichen Wohnens schon
so lange aufrecht erhält. Bis das aber keine Option ist, wollen wir einen Mietvertrag,
der uns erlaubt, als Gruppe weiter bestehen zu können.
Helft uns zu zeigen, dass es unserer kleinen Stadt und Community
ein Anliegen ist, dieses Projekt zu erhalten.
Vielen Dank fürs Lesen und eure Solidarität.
<3 eure Gimmlis

Aufruf der Bewohner*innen (vollständiger Text)

Der folgende Text stammt von den Bewohner*innen der Grimmer 2 und wird hier unverändert veröffentlicht:

👉 Aufruf lesen

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