AktuellesWeidenschnitt in Alt Ungnade
Blog, Infrastruktur, Kultur  |  25. Januar 2025

Weidenschnitt in Alt Ungnade

Am letzten Januarwochenende haben wir uns wieder dem Weidenschnitt gewidmet.

In einem Arbeitseinsatz gingen wir mit 4 Kettensägen und zahlreichen Helfern an die Arbeit. Kopfweiden wurden entlang unserer 220 Meter langen nördlichen und westlichen Grundstücksgrenze bis auf ihre Basis zurückgeschnitten.
Die Weidenruten, welche in zwei Jahren mit Längen bis zu 5 Metern und Durchmessern bis zu 10 cm teilweise beachtlich gewachsen waren, haben wir zwischen den in Zweierreihen stehenden Kopfweiden in unsere Benjeshecke eingepflegt.

Gelände Anfang der 00er-Jahre

Als das Gelände Anfang der 00er-Jahre gekauft und von den Pionieren des Wagenplatzes angelegt wurde, wurden Kopfweiden in zwei Reihen nahezu um das gesamte Gelände gepflanzt. Es sind alles männliche Exemplare der Silberweide (Salix alba).

Die Kopfweiden, die in Alt Ungnade Anfang der 00er Jahre vorgefunden wurden, waren nur ein Rudiment der Nutzung der Weiden als Zaunpfähle für die Koppeln, die früher um Alt Ungnade herum existierten. Anhand der folgenden Karte von ca. 1900 aus dem Uni – Archiv ist zu erahnen ist wie kleinteilig die Flur um Alt Ungnade herum damals gestaltet war. Die bei weitem kleineren Anbauflächen als heute, wie auch die umsäumenden Hecken und Knicks oft angelegt mit Kopfweiden, schufen eine artenreiche Kulturlandschaft mit der Kopfweide als Charakterrolle.

Die Hecken und Knicks minderten die Winderosion, so dass weniger Wasser aus den Kulturböden verdunstete, boten Lebensraum für zahlreiche Arten und lieferten Humus durch sich zersetzendes Totholz. Davon profitierten die Bauern erheblich. Ihre Böden wiesen eine weitaus höhere Nährstoffdichte auf und potentielle Schädlinge der Kulturpflanzen konnten nicht zu gefährlich großen Populationen wachsen, da die in den Hecken und Knicks lebenden Fressfeinde stets für einen Ausgleich der Populationen sorgten.

Benjeshecke

Mit der Pflege unserer Benjeshecke weiten wir den Nutzen unserer Kopfweiden aus. Nahezu alle genannten Vorteile der Kopfweiden finden sich auch in der Benjeshecke wieder. Da wir die Hecke größtenteils zwischen den zwei Reihen Kopfweiden angelegt haben, erweitert sich der Lebensraum.

Insekten, Amphibien, Reptilien, Spinnen, aber auch Vögel, Fledermäuse, Igel, Haselmäuse und andere Tiere profitieren vom Totholz. Dabei gilt: Je dicker das Totholz, umso besser ist es als Lebensraum geeignet und umso mehr Nahrung ist zu finden. Vor allem Totholz, das von der Sonne beschienen wird, und stehendes Totholz sind artenreich. Hier tummeln sich im Sommer zahlreiche Insekten wie die Blaue Holzbiene, aber auch Eidechsen und andere wärmeliebende Arten.

Nicht nur in warmen Sommern ist Totholz Lebensraum, auch im Winter halten sich hier viele Tiere auf. Sie überwintern sicher im Schutz des Geästs am Boden, in Käferbohrlöchern, unter der Rinde und anderen Hohlräumen. Ein bekannter Wintergast ist der Igel. Aber auch Kröten und manche Insekten überwintern in einem Totholzhaufen.

Zusätzlich entsteht Sichtschutz wie auch Schutz vor Winderosion, wodurch das Wasser unserer Böden weniger schnell verdunstet als auf riesigen Ackerflächen. Durch die Beschattung der Wurzelbereiche der Kopfweiden mit der Benjeshecke ist hier die Verdunstung gemindert und damit für eine ausreichende Versorgung des Wurzelbereiches mit Wasser gesorgt. Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist, dass der Humus der Weidenruten durch das Einflechten in die Benjeshecke am Ort bleibt und so die von der Weide aufgenommenen Nährstoffe im Kreislauf des Biotops bleiben. Im Gegensatz zu vielen Hobbygärtner und Grundstücksbesitzern fahren wir unseren Grünschnitt nicht ab. Humus ist das Gold für das Wachstum aller Pflanzen.

Freiraum e.V.

Als „Freiraum e.V.“ haben wir uns laut Satzung der naturgerechten Landwirtschaft und insbesondere dem Erhalt alter Kulturpflanzen und Sorten verschrieben. Wir schützen und erhalten den Strukturreichtum der Kulturlandschaft Vorpommerns. Wir schützen seltene Tiere und Pflanzenarten und ihren Lebensraum durch den schonenden und umweltgerechten Umgang mit den natürlichen Ressourcen Boden, Wasser und Luft sowie Flora und Fauna.

Also ist die Pflege der Kopfweiden und der Benjeshecke essentiell fĂĽr die Umsetzung unserer Vereinsziele.

„Wir wollen zeigen, dass es möglich ist, mit Einigkeit, Köpfchen und Tatkraft ein nachhaltiges Refugium für alle Lebewesen unseres Ortes zu schaffen. Im Kleinen kann, exemplarisch für das Große, ein beachtlicher Artenreichtum entstehen trotz mittlerweile leider riesiger Monokulturäcker fast ohne Heckenstreifen und Knicks. Wie auch andere Iniativen weltweit, stellen wir mit unserem Projekt ein Bollwerk gegen das massenhafte Sterben von Arten dar und geben unser Wissen dazu auch gern weiter.“

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