Workshop:
Von der Rohwolle zum Garn mit Susan Krieger

Workshop:

Von der Rohwolle zum Garn mit Susan Krieger

Am Wochenende des 19.-20.11. fand im Gemeinschaftswagen ein Workshop zur Verarbeitung von Rohwolle statt.

Zunächst einmal kurz wie der Workshop zustande kommen konnte. Der Wunsch, das geschorene Fell unserer kleinen Herde rauwolliger pommerscher Landschafe weiterzuverarbeiten, war in diesem Jahr nach der Schafschur im Mai aufgekommen. Wie andere Tierhalter verstehen werden, besteht der Wunsch das Tier ganzheitlich zu nutzen und so war in den letzten Jahren die geschorene Wolle meist als Mulch- und Dämmmaterial genutzt worden. In der Hoffnung das Material diesmal als Rohstoff zu nutzen und weiterzuverarbeiten oder aber weiterzugeben, wurde nach Möglichkeiten gesucht, sich Fertigkeiten anzueignen. Im Rahmen der Recherche zu den Möglichkeiten, unsere kleinen Mengen zu Garn verarbeiten zu lassen, entstand der Kontakt zur studierten Textildesignerin und selbständigen Workshopleiterin zu eben jenem Thema, zu Susan Krieger.

Der Workshop selbst war dann ein voller Erfolg und brachte viel Freude in die Runde. Zunächst gab es eine Einführung in einige unterschiedliche Wollarten und Fasern. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Schafrassen sind wirklich eindrucksvoll nachvollziehbar, wenn der entsprechende Werkstoff vor einem liegt. Susan hatte hierfür allerlei Proben unterschiedlichster Schafrassen dabei. Es gab sogar zum Vergleich Hunde-, Alpaka- und Merinowolle zu befühlen. Weiter ging es mit der Theorie zum Wollewaschen. Hier waren Mitbewohner*innen bereits in Vorleistung gegangen und hatten im Sommer die Wolle unserer sechs geschorenen Schafe gewaschen. Dann kamen die weiteren Aufbereitungsschritte: Kadieren und Kämmen bevor dann das tatsächliche Spinnen drankam. Sehr aufschlussreich war, dass die Verarbeitung zum einzelnen Garn auch auf jeder dieser Verarbeitungsstufen möglich ist: Mit Rohwolle und ungekämmter Wolle wurde ebenso spinnen geübt, wie mit der fertig aufbereiteten gekämmten Wolle.

Das Spinnen des Garns erfolgte dann zunächst mit der Handspindel. Die Handspindel ermöglicht es, den Prozess des Verdrillens des Garns besonders anschaulich durchzuführen und ist handwerklich und koordinativ weniger anspruchsvoll als mit dem Spinnrad zu arbeiten. Trotzdem erfordert es einige Übung und Fingerfertigkeit. Anschließend erfolgten dann Übungen mit dem Spinnrad. Es waren reichlich Spinnräder vorhanden und jeder wurde von Susan sehr umsichtig betreut und unterstützt. Der simultane Antrieb des Schwungrads mit gleichmäßigem Tempo (in die selbe Richtung) und Handhabung des gekämmten oder kadierten Wollfließes erfordert wirklich viel Übung und es war erfreulich, wie entspannt Susan die Fertigkeiten anleiten konnte. Nachdem der Faden einfach verdrillt war, wurden zwei Fäden gegenläufig verdrillt und somit der Zwirn hergestellt. Zwischendurch musste das Garn nochmal von der Spindel abgenommen und dann wieder aufgespult werden. Zu guter Letzt darf der fertige Zwirn dann ins Entspannungsbad. Ein wohlverdienter Abschluss für den Rohstoff nach so vielen Arbeitsschritten.

Nach der Erfahrung dieses aufwendigen Prozesses blicken wir nun mit größerer Ehrfurcht auf die Mengen und Massen dieses Rohstoffs, die wir in unser aller Kleidung tragen. Gleichzeitig ist es ein weiteres Handwerk, das durch die industrielle Massenproduktion marginalisiert wird und aus ökonomischen Gesichtspunkten heutzutage kaum noch sinnvoll betrieben werden kann. Wolle aus Schafherden in Deutschland ist aus dieser Sicht weitestgehend ein Abfallprodukt und wird nur zu Ramschpreisen überhaupt noch abgenommen. Diese Effizienzsteigerung durch Verlagerung der verschiedenen Arbeitsschritte in die globalisierte Welt (Schafe: Neuseeland; Wollverarbeitung: Asien; Stoff und Kleidungsherstellung: Asien/Süd und Mittelamerika) führt natürlich zu den allseits bekannten Problemen vor Ort. Gleichzeitig führt es zu einem Verschwinden unserer Kulturlandschaften, und Kleidungstradition, weil sich Tierhaltung und Rohstoffverarbeitung nur noch lohnen, wenn man damit einen ideellen Zweck verfolgen möchte. Wir vom Freiraum e.V. versuchen, diesem ideellen Zweck gerecht zu werden und sowohl in Eigenleistung, täglichem Leben, als auch Konsumverhalten darauf Rücksicht zu nehmen. Wir wollen alle ermutigen, sich Gedanken zur Gestaltung ihrer unmittelbaren Umgebung und Lebensweise zu machen und sich zu fragen, wo man eigentlich durch eigene Taten die Umwelt beeinflussen kann. Außerdem hat es einfach Spaß gemacht, in großer Gruppe das Spinnen zu erlernen!

Wir sind Susan Krieger sehr dankbar für die Durchführung des Workshops und vielleicht ergibt sich ja in den nächsten Jahren noch öfter die Gelegenheit, sie zu Workshops in den Freiraum e.V. Alt Ungnade einzuladen. Für alle die nicht darauf warten wollen und jetzt Lust bekommen haben, sich mit Wolle zu beschäftigen, sei ihre Website ans Herz gelegt: www.ddha.de

Auch allen Helfer*innen des Wagenplatzes soll nochmal gedankt sein: für das Vorbereiten des Gemeinschaftswagens und des Gästewagens, dem Koch des famosen Schafgulasch vom ersten Abend, den Kuchenbäckern und Kaffekochern und insbesondere Charli, die sich liebevoll um die Organisation des Workshops gekümmert hatte.

Fotos vom Workshop

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